Geschichtliches

1219

stadtsoldaten
– Nordhausen scheint in dieser Zeit für das Königtum wieder größere Bedeutung zu gewinnen Auch aus diesen Gründen sind 1219 die Bemühungen Dietrichs von Honstein, des damaligen Propstes des Damenstiftes, im Bündnis mit dem Erzbischof von Magdeburg erfolgreich, das Damenstift in ein Domherrenstift umzuwandeln und die Rechte des Königs zu restituieren. Die dazu am 27. Juli 1220 in Würzburg ausgestellte Urkunde liegt im Stadtarchiv nur in Abschrift im sogenannten Rauhen Buch vor. Nach seiner Krönung zum Kaiser bestätigt Friedrich II. diese Verfügung durch eine am 11. März 1223 in Italien ausgestellte Urkunde, wie es darin heißt, auf Bitten seines Kapellans, des Nordhäuser Propstes Dietrich von Honstein.

Jahres 1220 sind ein wichtiger Schritt hin zur Herausbildung einer freien Reichsstadt, die nur den König als weltlichen Herrn über sich anerkennt. Doch in einer Zeit, als das Königtum besonders schwach ist, erstürmen die Bürger im Jahr 1277 die Reichsburg, die sich an der Stelle der alten Heinrichsburg befindet und vertreiben die königlichen Dienstleute.

Die Veränderungen des 1290 beendet König Rudolf von Habsburg den Konflikt mit der Stadt, bestätigt den Bürgern alle von Kaisern und Königen jemals verliehenen Privilegien und nimmt die Stadt in den Schutz des Reiches. Die von ihm verliehenen Privilegien bilden die rechtliche Grundlage für die reichsfreie Stellung der Stadt.


1816

Seit 1816 ist Nordhausen eine kreisabhängige Stadt im preußischen Regierungsbezirk Erfurt der preußischen Provinz Sachsen und zählt 1821 knapp 9.900 Einwohner. Die Verkehrssituation verbessert sich durch den Bau gepflasterter Straßen – 1818/19 in Richtung Halle und Kassel, 1825/27 nach Stolberg, dann nach Erfurt, 1846/48 nach Ellrich. Auf den Chausseen entwickelte sich bald ein reges Treiben. Nordhäuser Fuhrleute befördern Waren, vor allem den beliebten Branntwein „Nordhäuser Korn“ in alle Gegenden Deutschlands.

Menschen aus den unteren Schichten versuchen damals, durch Schmuggel ihre Lebenssituation zu verbessern. Sie kaufen auf hannoverschem Gebiet, z.B. in Krimderode, die aus Übersee eingeführten Waren und bemühen sich, sie zollfrei auf preußisches Gebiet zu bringen. Zur Bekämpfung des Schmuggels legt die preußische Regierung Soldaten in die Stadt. Sie bekämpft die Schmuggler mit drakonischer Härte und ist bei der Bevölkerung gründlich verhasst.

Die Spannungen zwischen den Soldaten und der Bevölkerung verschärfen sich Anfang 1835. Am 14. Februar gibt es zwischen Grenzjägern und Schmugglern ein regelrechtes Gefecht. Als am 15. Februar Grenzjäger die Häuser am Frauenberg nach unverzollten Waren durchsuchen, werfen Einwohner aus Fenstern und von den Dächern Steine auf die Soldaten herab. Zu tumultartigen Unruhen kommt es, als am 27. Februar Grenzjäger in der Weberstraße den Maurergesellen Brinkmann erschießen. Alle Tore und Straßen werden von Grenzjägern bewacht, mehrere Personen verhaftet. An der Beisetzung Brinkmanns nahmen Tausende von Nordhäusern teil.

Als zwei Jahre später Bürgermeister Kölling von einem Grenzjäger schwer misshandelt wird, erreicht die antipreußische Stimmung in der Stadt einen neuen Höhepunkt. Bürgermeister Heinrich Karl Kölling wird am 27. September 1837 von einem Grenzjäger mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen.


1934 bis Kriegesende

Nordhausen nach dem Bombenangriff am 03. / 04. April 1945

Nordhausen nach dem Bombenangriff am 03. / 04. April 1945

1934-1935 erregt ein Konflikt Aufsehen zwischen Nordhausens Oberbürgermeister Heinz Sting, Landtagsabgeordneter und Leiter der Gauinspektion Thüringen der NSDAP, und Heinrich Keiser, Kreisleiter Südharz von Thüringens NSDAP-Reichsstatthalter Fritz Sauckel. Die Auseinandersetzung, die mit der Absetzung Stings als Oberbürgermeister, dem Verlust aller Parteiämter und seinem zeitweiligen Ausschluss aus der NSDAP endet, ist Ausdruck der Politik Sauckels, seine Macht schrittweise auf die Verwaltung des preußischen Regierungsbezirkes Erfurt auszudehnen.

Die V1- und V2- Raketenproduktion in Nordhausen seit Ende 1943, die damit im Zusammenhang stehende Errichtung des später selbständigen KZ-Außenlagers von Buchenwald, Mittelbau-Dora mit insgesamt 60.000 Häftlingen, insbesondere aber die schrecklichen Bilder des am 11. April 1945 befreiten KZ-Außenlagers Nordhausen / Boelcke-Kaserne machen den Namen der Stadt weltweit in unrühmlichem Sinne bekannt.

20.000 Menschen müssen im KZ aufgrund miserabler Arbeits- und Lebensverhältnisse und auf den Todesmärschen ihr Leben lassen.

Die in Nordhausen vermutete Konzentration militärischer Kräfte führt zur Vernichtung Alt-Nordhausens am 3. und 4. April 1945. Die Bomben der Royal Air Force zerstören 74 % der Innenstadt; 8800 Menschen finden dabei den Tod, was bezogen auf die Wohnbevölkerungszahl 1939 einen Anteil von 21 % entspricht. Mit einem Wohnungszerstörungsgrad von 55 % gehört Nordhausen zu den am schwersten zerstörten Städten der früheren DDR.


1949 – Der Aufbau der Stadt nach dem 2. Weltkrieg

40. Jahrestag der Bombardierung

40. Jahrestag der Bombardierung

Viel später als zunächst erhofft, beginnt der Aufbau der Stadt erst im Jahre 1949. Betriebe, die teilweise oder schwer zerstört wurden, beginnen aber schon 1945 mit der Produktion. Die Politik der Enteignung und Verstaatlichung, die Teilung Deutschlands – Nordhausen, das bisher im Herzen Deutschlands lag, gerät jetzt in eine Randlage -, die Abwanderung des Nordhäuser Bürgertums und vieler Fachkräfte in den Westen Deutschlands – all das zerstört traditionelle Strukturen und lähmt den Wiederaufbau. Dennoch steigt die Einwohnerzahl der Stadt von 32.000 im Jahr 1945 auf 39.000 im Jahre 1958 und 47.000 im Jahre 1981. Diese Zunahme ist nicht nur auf die Eingemeindung der Orte Salza und Krimderode zurückzuführen, die am 1. Juli 1950 gleichzeitig mit dem Verlust der Kreisfreiheit der Stadt erfolgte. In den 1950er Jahren setzt eine starke Zuwanderung ein, die ihre Ursache in der Entwicklung der Nordhäuser Industrie hat.
domstrasseHier ist ein bemerkenswerter Rückgang der ehemals führenden Kautabak- und Branntweinbrennerei-Unternehmen zu beobachten, der letztlich zur Konzentration in je einem Großbetrieb führt. Beide sind in der damaligen DDR marktführend:
Der „VEB Nordbrand“ gilt damals als der „größte und modernste Spirituosenproduzent der DDR“, der VEB Tabak als der „größte Zigarettenhersteller der Republik“. Dagegen wächst die Bedeutung der Schwerindustrie, deren Charakter durch das IFA-Motorenwerk (ursprünglich: Schlepperwerk), den VEB Schachtbau, die NOBAS, das Fernmeldewerk und den Brunnen- und Pumpenbau gekennzeichnet wurde.

Die politische Wende 1989/1990, die Wiedervereinigung und ihre Auswirkungen: das Wegbrechen der osteuropäischen Märkte und die Konkurrenz westlicher Unternehmen – überstehen nur die zwei erwähnten Großbetriebe der Zigaretten- und Spirituosenproduktion sowie das Schachtbau-Unternehmen ohne größere Einbußen. Aber auch kleinere Betriebe der Holz-, Textil- und Lebensmittelindustrie können sich im tief greifenden Wandlungsprozess nicht behaupten, während sich für einige neu gegründete Unternehmen, z.B. der Fahrrad- und PKW-Ventilproduktion, neue Chancen eröffnen. Im Herbst 2002 endet auch die lange Tradition der Nordhäuser Tabakindustrie.