60 Jahre Erfolgsgeschichte Ost

60 Jahre Erfolgsgeschichte Ost

Vor 60 Jahren lief in Ludwigsfelde der erste „Pitty” vom Band

60 Jahre Erfolgsgeschichte OstDie Geschichte der Produktion von Motorrollern in der DDR startete vor sechzig Jahren im damaligen VEB Industriewerke Ludwigsfelde (IWL). Nach einer etwa zweijährigen Entwicklungszeit begann am 1. Februar 1955 die Serienproduktion des Motorrollers IWL „Pitty”

 

Sein optisches und technisches Erscheinungsbild entsprach den bis heute gültigen Kriterien eines Motorrollers. Er war ein leicht motorisiertes Zweirad mit einer Karosserie als Wetterschutz, die einen Durchstieg zwischen Fahrersitz und Frontteil besaß, sodass der IWL „Pitty” ohne den Knieschluss am Tank gefahren wurde. Ein Kriterium, das besonders für Frauen von Vorteil war und sich in der DDR bis zur Einstellung der Produktion von Motorrollern 1989 mit dem Typ Simson SR 50 bewährte.

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Bereits 1956 wurde dann schon mit dem IWL SR (Stadtroller) 56 „Wiesel” das Nachfolgemodell präsentiert. Mit der Beibehaltung des 125-Kubikzentimeter- Einzylinder-Zweitaktmotors des Leichtmotorrades RT erhielt dieser eine technische und optische Überarbeitung. Das bisher prägende starre Frontteil erhielt von diesem Zeitpunkt an einen separaten Vorderkotflügel, welcher
den IWL SR 56 „Wiesel” eleganter und beweglicher erscheinen ließ.
Dieses Nachfolgemodell wurde von 1956 bis 1959 hergestellt.

Stadtroller „Berlin”, Tourenroller „Troll”

Von 1959 – 1962 wurde mit viel Erfolg die Weiterentwicklung mit der Typenbezeichnung IWL SR (Stadtroller) 59 „Berlin“ produziert und verkauft. Dieses moderne Fahrzeug erhielt eine verstärkte Motorisierung, in Gestalt eines 143 ccm Einzylinder Zweitakt MZ Motor. Das optische Erscheinungsbild wurde damals deutlich i. B. auf die Vorgängermodelle verfeinert und somit dem einstigen Zeitgeist angepasst. Ab dem Jahr 1969 stand dem freizeitorientierten Rollerfahrer zusätzlich der Einachsanhänger „Campi“ zur Verfügung. Auf heutigen Oldtimerveranstaltungen stellen derartige Gespanne immer einen besonderen Blickfang dar. Mit über 100 000 verkauften Fahrzeugen war der IWL SR 59 „Berlin“ der am meisten verkaufte Motorroller des damaligen VEB Industriewerke Ludwigsfelde sehr erfolgreich. Nur etwa die Hälfte der Verkaufszahlen des IWL „Berlin“ erreichte das Nachfolgemodell der IWL TR (Tourenroller) Troll 1. Dieses Fahrzeug mit seiner nun kantigen Karosserie aber der gleichen Motorisierung wurde ab 1963 in Serie produziert. Auf Grund von wirtschaftlichen Umstrukturierungen zu Gunsten der LKW Produktion (W 50), endete in Ludwigsfelde 1964 die Herstellung von Motorrollern.

Entwicklung in der Tschecheslowakei

Fast zeitgleich begann auch im Nachbarland Tschechien (ehemals CSSR) die Entwicklung und Herstellung von Motorrollern an 2 Standorten. Ab 1956 wurden in Uhersky Brod die Cezeta 501 und der Nachfolger Cezeta 502 bis 1964 hergestellt. Die Fahrzeuge besaßen einen 171 ccm Einzylinder Zweitakt Jawa /CZ Motor. Auch eine 200 ccm Motorisierung soll es für den Export gegeben haben. Dieser Rollertyp konnte als einziges Nachkriegsmodell des Ostens mit einem formschönen Seitenwagen (Druzeta) bzw./ und mit dem Einachsanhänger PA 40/41 aufgerüstet werden. Auch ein Motorroller Dreirad (Cezeta 505) mit einem Pritschenaufbau sowie auch einer geschlossenen Fahrerkabine wurde serienmäßig hergestellt.

In Povazska Bystrica wurden im Zeitraum von 1958 – 1964 der Motorroller Manet 100 mit einem 98 ccm Einzylinder Zweitakt Motor und von 1965 – 1969 das überarbeitete Modell Tatran S 125 mit einem 123 ccm Motor produziert. Diese eleganten Fahrzeuge waren mit einer 12 Volt Starteranlage, 4 Blinkleuten und mit formschönen Windschutzscheiben ausgestattet.

Ebenso optisch modern waren die tschechischen Kleinroller der Firma Jawa Typ 05, 20, 21. Diese Fahrzeuge waren mit einem 50 ccm Einzylinder Zweitakt Motor ausgestattet und wurde auch über den IFA Handel der DDR angeboten.

..und in Ungarn

Auch das Bruderland Ungarn (ehemals VR Ungarn) stellte in den Csepel Werken von 1957 – 1962 Motorroller, wie den Kleinroller Panni R 50 und den Motorroller „Tünde“ her. Diese Fahrzeuge mit ihren 50 ccm bzw. 175 ccm Einzylinder Zweitakt Motoren gelten hier als Exoten, da sie auf den Straßen der ehemaligen DDR, im Gegensatz zu den tschechischen Motorrollern, nicht vorkamen. Weiterhin wurde auch in Ungarn ein Einachsanhänger (Motokuli) produziert, welcher ggf. noch von dem Motorroller „Tünde“ bewegt werden konnte aber in der Regel für die leistungsstärkeren ungarischen Motorräder „Pannonia“ vorgesehen war.

„Vogelserie“ aus Suhl

60 Jahre Erfolgsgeschichte Ost 4Die Produktion von Kleinrollern in der ehemaligen DDR begann im VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ in Suhl bereits 1958 mit dem einsitzigen Simson KR 50, der als Nachfolger der Simson Mopeds SR 1 und SR 2 gilt. Von 1964 bis 1986 wurden dann die zweisitzigen 50 ccm KR (Kleinroller) „Schwalbe“ mit der Typenbezeichnung KR 51, in 3 Baureihen und 9 Modellvarianten überaus erfolgreich produziert. Diese formschönen und leistungsfähigen Kleinroller waren sehr begehrte Fahrzeug auch im Exportgeschäft und fanden ihren Einsatz als Werbeträger in der DEFA – Fernsehserie „Schwester Agnes“ oder als Modellfahrzeug des Sandmännchens im allabendlichen Kinderfernsehen der DDR. Mit über 1000 000 produzierten Exemplaren, entwickelte sich dieser Kleinroller aus der einstigen Vogelserie aus Suhl neben dem Trabant und dem Krause Duo, nach der politischen Wende, zu technischen Kultobjekten. Das Ende der überaus erfolgreichen Motorrollergeschichte in der ehemaligen DDR wurde dann mit einer hervorragenden Neuentwicklung von 50 ccm und 80 ccm Simson Kleinrollern 1986 eingeläutet. Diese Neuentwicklung konnten auch mit einem optisch und technisch passenden zweispurigen Anhänger erworben werden.

Treffen in Nordhausen

Zusammenfassende Zahlen belegen, dass mit etwas über 230 000 IWL – Roller und ca. 1.300 000 Simson Kleinrollern die ehemalige DDR mit zu den erfolgreichen Ländern im Motorrollerbau vor der Wende zählt. Ab 1990 erfolgte dann die sog. Marktbereinigung um unliebsame Konkurrenz vom hart umkämpften Rollermarkt zu verdrängen. Als Reminiszenz an den erfolgreichen Rollerbau im Osten, plant nun der Ost Klassiker Klub Wolkramshausen e. V. im Rahmen des 21. Altstadtfestes der Stadt Nordhausen, am 01.08.2015, neben der bekannten Harz Klassik, auch ein Treffen historischer Motorroller. Informationen dazu können über das Medienhaus Heck, dem MC Roland Nordhausen bzw. über den Ost Klassiker Klub unter: www.oldtimer-wolkramshausen.de abgerufen werden.

H. Rein, Vorsitzender des Ost Klassiker Klub Wolkramshausen e. V.

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